Markus Hartinger und Markus Mitterer vor dem jambit Büro

Wie funktioniert Umweltengagement für Unternehmen?

In diesem Jahr feiern wir 20 Jahre jambit und damit auch 20 Jahre Begeisterung für unsere Kundenprojekte. Begeisterung erleben wir jedoch nicht nur in der Softwareentwicklung, sondern auch in anderen Themen. Doch was ist echte Begeisterung? Was treibt Menschen an, was begeistert sie in Beruf, Sport oder in gesellschaftlichen Themen? Wir haben uns mit Markus Mitterer vom Münchner Verein rehab republic unterhalten. Dort geht man der Frage nach: Wie verringern wir unseren ökologischen Fußabdruck? Im Interview lernen wir mehr darüber, was rehab republic macht und wie auch jambit versucht, eigene Ideen in Taten umzusetzen.

Vorbei an leeren Gängen und der typischen grünen Fototapete unserer jambit-Kaffeeplantage treffen wir Markus Mitterer und jambit Mitgründer Markus Hartinger vor der jambit-Dachterrasse. Die beiden schauen jedoch nicht auf das Alpenpanorama, sondern auf Mülltonnen. Grafische Symbole für Papier, Plastik und Restmüll animieren jambitees dazu, Müll zu trennen. „Glück gehabt, Umwelttest bestanden?“, „Nicht ganz, aber Mülltrennen ist schon einmal ein guter Anfang“, schmunzelt Markus Mitterer.

Markus Mitterer und Markus Hartinger im Gespräch über Umweltengagement

Markus Mitterer kommt aus München, nach dem Abitur studierte er Biologie mit dem Schwerpunkt Ökologie. Nach Reisen in den Regenwald war klar, anstelle einer Karriere in Wirtschaft und Forschung sollte es für ihn in die Umweltbildung gehen. Seit ein paar Jahren arbeitet er nun als Klimaschutzmanager bei der Stadt München. Daneben engagiert er sich im Verein rehab republic.

Markus Mitterer, was macht ihr bei rehab republic?

rehab republic möchte vor allem junge Leute stärker für Nachhaltigkeit begeistern und gleichzeitig vernetzen. Mit unseren verschiedenen Schwerpunkten möchten wir außerdem zeigen, wie vielfältig Engagement für Nachhaltigkeit aussehen kann. Unsere Projekte befassen sich etwa mit Recyclingprozessen, Lebensmittelverschwendung und bürgerschaftlichem Engagement. Wir möchten damit das Verhalten spielerisch verändern aber auch sensibilisieren, dass Veränderung beim Einzelnen anfängt.

Markus Mitterer, was können Unternehmen selbst tun, um eine umweltfreundliche Haltung im Unternehmen zu etablieren?

Um eine Haltung zu etablieren, kommt man mit starren Regeln nicht weit. Menschen sollten die Möglichkeit haben, sich mit Spaß und gemeinsam an nachhaltige Aktivitäten heranzuwagen und selber Projekte anstoßen zu können. Bei rehab republic bieten wir etwa Müllsammelaktionen wie das Plogging. Das kommt aus Schweden und ist eine Mischung aus Plocka (schwedisch für Aufheben) und Joggen. Für gemütlichere Engagements gibt es noch das Cleanup oder auf bayerisch „Ramadama”, was so viel wie „Räumen tun wir“ bedeutet. In unseren Workshops sollen Mitarbeitende Spaß haben, was Gutes tun und gleichzeitig ein Gefühl für Umweltthemen entwickeln. In Plastikfrei-Workshops zeigen wir, welche Alternativen es zum Plastikkonsum gibt und stellen etwa Reinigungsmittel selbst her. Dabei beantworten wir auch immer viele Fragen und räumen mit Mythen zur Mülltrennung auf. Oft kommen bei den Workshops Ideen auf, was man im Unternehmen noch optimieren kann.

  • Wir schöpfen unsere Begeisterung vor allem daraus, Veränderungspotenziale täglich zu entdecken und zu einer Gesellschaft beizutragen, in der auch kommende Generationen noch gut leben können. Daran mitzuwirken macht uns happy.

    Markus Mitterer, Vorstand & Gründer, rehab republic
  • Wir schöpfen unsere Begeisterung vor allem daraus, Veränderungspotenziale täglich zu entdecken und zu einer Gesellschaft beizutragen, in der auch kommende Generationen noch gut leben können. Daran mitzuwirken macht uns happy.

    Markus Mitterer, Vorstand & Gründer, rehab republic

Was sind konkrete Handlungsfelder für mehr Umweltengagement?

Ein großer Hebel ist der Einkauf und die Beschaffung. Kaufe ich etwa Recycling-Papier oder Frischfaserpapier? Biete ich einen Wassersprudler und Mehrwegflaschen an? Mehrzweckdosen in der Firmenküche für die Mitarbeitenden sorgen dafür, dass bei der Besorgung des Mittagssnacks weniger Müll anfällt. Das sind Themen, die jedes Unternehmen sofort umsetzen kann. Langfristig sind es aber natürlich auch Infrastrukturfragen wie die Standortwahl oder die Wahl des Stromanbieters.

Markus Hartinger, woher kennst du rehab republic?

Markus Mitterer und ich kennen uns schon seit etwa 20 Jahren. Kennengelernt haben wir uns im TSV Milbertshofen, wo wir beide Tennis spielen. Über viele Gespräche nach den Matches habe ich mehr über rehab republic erfahren. Seitdem begeistert mich das Projekt und ich versuche das Team in München ab und an zu unterstützen.

Markus Hartinger, was macht jambit derzeit, um nachhaltiger zu werden?

Eigentlich ist es eine Mischung aus vielen Einflüssen. Zum einen gibt es Impulse, die wir als Gründer, Peter Fellinger und ich, selbst setzen können, zum anderen bringen unsere Mitarbeitenden eigene Vorstellungen ein. Bei der Standortwahl neuer jambit-Offices setzen wir ganz bewusst auf ÖPNV-Zugang, der ja auch mit unserem Jobticket gefördert wird. Jeder unserer jambit Standorte in München, Stuttgart, Leipzig und Frankfurt kann mit dem öffentlichen Nahverkehr einfach und schnell erreicht werden. Seit kurzem können unsere jambitees außerdem den örtlichen Verkehr entlasten und Dienstfahrräder über jambit kostengünstig leasen.

Aber Verantwortung wird erst wahrgenommen, wenn ich Mitarbeitenden auch Gestaltungsspielraum gebe. So wird die jährliche Weihnachtsspendenaktion beispielsweise in Mitbestimmung durch unser Team, unsere jambitees, ausgewählt. Die Mülltrennung bei jambit und ihre Organisation war etwa ein Projekt, das aus einem gemeinsamen Mitarbeiter-Workshop entstand. In unserem Intranet können sich jambitees selbstorganisiert Gegenstände ausleihen, von der Bohrmaschine bis zur Kletterausrüstung.

Markus Hartinger und Markus Mitterer vor dem jambit Büro

Markus Mitterer, welche Rolle spielt Begeisterung für die Arbeit in einer NGO? Warum macht man das?

Ich denke, wir schöpfen unsere Begeisterung vor allem daraus, Veränderungspotenziale täglich zu entdecken und zu einer Gesellschaft beizutragen, in der auch kommende Generationen noch gut leben können. Daran mitzuwirken macht uns happy. Zusätzlich gibt's beim Engagement viele schöne Begegnungen. Ob beim Radler umarmen in der Ludwigsstraße oder mit unserem Label Einmal ohne, bitte beim Metzger um die Ecke. Wir versuchen rauszugehen und unser Umfeld miteinzubeziehen – mit einfachen und konkreten Aktionen. Unser Motto lautet „YEAH statt BUHH!“. Rumnörgeln bringt wenig, wenn kein Lösungsvorschlag dahintersteht.

Als Team von rehab republic sehen wir unser Engagement etwa dann funktionieren, wenn wir Auswirkungen erleben. Mit dem Label „Einmal ohne, bitte” haben wir uns die Vermeidung von Verpackungsmüll bei Einkauf und Take-Away zum Ziel gesetzt. Es werden Geschäfte und Lokale sichtbar gemacht, in denen man Backwaren, Käse, Wurst und andere Lebensmittel ohne produkteigene Verpackung erwerben können. Viele Einzelhändler haben bis heute mitgemacht und bieten ihrer Kundschaft nun an, ihre Produkte in eigenen Mehrzweckdosen abzuholen. Solche Aktionen geben Mut und vor allem Ausdauer für unser langfristiges Ziel, München für Umweltthemen zu begeistern.

Markus Hartinger, was kann man als Unternehmen von Organisationen wie rehab republic lernen?

Das Engagement in einem sozialen Verein und der Berufsalltag sind nicht deckungsgleich, ich sehe aber schon Parallelen. Die Bedeutung eines guten Teams, das gemeinsam an einer Sache arbeitet. Mit offenen Augen durch die Welt gehen und selbst mit Veränderungen anfangen. Bei jambit versuchen wir mit unseren vielen Angeboten der Selbstorganisation und -entwicklung, die Eigenverantwortung und Begeisterung für eigene Themen zu fördern. Denn erst wenn ich als Teammitglied hinter einem Thema oder Projekt stehe, kann ich auch 100 % Begeisterung rüberbringen, die wir unseren Kunden versprechen.

Markus Mitterer, wo möchtet ihr mit rehab republic hin?

Wir möchten neben der Zivilgesellschaft auch noch andere Beteiligte mit ins Boot holen und unsere Unternehmenskooperationen und die Zusammenarbeit mit der Stadt weiter ausbauen. München möchte Zero Waste City werden. Dazu möchten wir beitragen, indem wir die Münchnerinnen und Münchner dazu motivieren, mitzumachen, aber auch, indem wir Politik, Verwaltung und Unternehmen unterstützen und beraten.

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